Marijan Zadnikar

                         

    Das Kloster Stièna

 

Kunsthistorischer Führer

 

Das große geistliche Wirren im Kampf um die Vorherrschaft zwischen dem römischen

Papst und dem deutschen Kaiser, der sogenannten Investiturstreit, und der Beginn der Kreuzzüge am Ende des 11. Jahrhunderts erfaßten Westeuropa und ließen auch sein Mönchtum nicht unberührt. Der uralte Benediktinerorden unterlag trotz erneuter Reformen, die aus Cluny, dem französischen Rom kamen, dem weltlichen Reichtum und der Macht und entfernte sich von der Regula oder der Regel seines Gründers, dem Hl. Benedikt, vom Grundprinzip: Ora et labora, bete und arbeite; und verdiene beim Beten dein alltägliches Brot allein. Einige widerstetzliche Mönche aus dem Benediktinerkloster zu Molesme im französischen Burgund entschlossen sich, sich in Einsamkeit zurückzuziehen, um ein neues, einfaches und bescheidenes Gemeinschaftsleben zu führen, wie es vor sechshundert Jahren der Hl. Benedikt, Vater des westlichen Mönchtums, eingeführt hatte. So entstand im moorigen Flachland südlich von Dijon das "neue Kloster" Cîteaux, das dem neuen

Zisterzienserorden auch den Namen verliehen hat. Das geschah genau vor 900 Jahren, im Jahre 1098. Der neue Orden breitete sich europaweit rasch aus. Als sein größter Geist der Hl. Bernhard, Abt von Clairvaux, im Jahre 1153 starb, gab es schon 343 Ordenshäuser.

Schon dreißig Jahre nach der Gründung des Zisterzienserordens entstand, im Jahre 1132, in der geborgenen Hügellandschaft von Dolenjska, die Abtei Stièna, das älteste Kloster im engeren slowenischen Gebiet. Für die wahre und rechtliche Gründung (1135/1136) kümmerte sich als zuständiger Bischof Patriarch Peregrin von Aquileia, dessen Einfluß bis nach Burgund reichte, dem Vaterland des Zisterzienserordens, woher die ersten Mönche zusammen mit ihrem französischen Baumeister Michael, nach Stièna kamen. In den folgenden Jahrhunderten bescherten zahlreiche fürstliche Stifter das Kloster reich, großen Schaden erlitt es durch  Türkeneinfälle, besonders in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.  Im 17. Jahrhundert entfaltete sich das Kloster stark, am 6. Oktober 1784 ordnete Kaiser Josef II. die Aufhebung des Klosters an. Durch die Erneuerung im Jahre 1898 kehrte wieder das Ordensleben ins Kloster zurück. Heute ist Stièna trotz einer geringeren Anzahl von Mönchen lebendig und entwickelt sich zu einem geistigen und kulturellen Brennpunkt.

In gut 800 Jahren seines Bestehens entwickelte sich das Kloster Stièna in ein umfassendes und sinnvoll gestaltetes Gebäudegefüge, das ummauert und mit Türmen zur Wehr gegen die Türkeneinfälle am Ende des 15. Jahrhunderts befestigt wurde. In diesem Gebäudekörper ist  bis heute auch der ältestes Kern des Klosters, aus der Gründungszeit, im 12. Jahrhundert erhalten geblieben. Die Ordenskirche, der Kreuzgang, die Kreuzgangflügel und die äußere oder östliche Kapelle des Hl. Paulus sowie auch die, eng an der äußeren Ummauerung der Nordseite liegende, Kirche der Hl. Katharina, von der lediglich die ausgegrabenen Fundamente  erhalten geblieben sind, stammen also noch aus der romanischen Stilepoche.

 

Die Ordenskirche, die zisterziensischem Brauch folgend der Muttergottes Gottes geweiht ist, verbirgt heute ihr 850 - jähriges Alter, da ihr interessantester Teil, der basilikale Fenstergaden von einem jüngeren Giebeldach, mit dem man nach dem ersten Barockumbau am Anfang des 17. Jahrhunderts die Kirche überdeckt hat, versteckt wird. Damals bliebt über den Barockgewölben des heutigen Dachstuhls der gesamte Obergaden der romanischen Basilika mit einer Doppeltreihe von Hochfenstern erhalten und mit vielen Beweisen, daß früher die ganze Kirche mit dem dreischiffigen Längshaus, dem Querhaus und der Vervierung mit einer flachen Holzdecken bedeckt war. An die Romanik erinnern im barocken Innenraum neben dem Kirchengrundriß nur noch zwei Arkadenreihen mit sechs Paaren halbrunder Bögen, um sieben wurde die romanische Kirche an der Westseite während der barocken Umgestaltung im 17. Jahrhundert verkürzt. Wir könnten im Geiste die romanische Kirche rekonstruieren, wenn wir die romanische Hauptapside vor dem Hochaltar unter dem Boden, die ausgegrabenen Fundamente der beiden Seitenapsiden im östlichen Innenhof und auch die freigelegten Fundamente der kleinen Apsiden des Querhauses in der "alten Sakristei" sowie natürlich den Fenstergaden im Dachstuhl, besichtigen würden. Es war eine dreischiffige, flachbedeckte Pfielerbasilika mit einem Querhaus und zwei langen Kapellen am Chorquadrat. Alle drei Altarräume enden mit halbrunden Apsiden in einer geraden Linie, zwei kleine Apsiden befinden sich noch an den Querhausarmen. Die so entworfene Ordenskirche ordnete sich nämlich nicht dem sog. bernhardischen Grundriß und dem burgundischen Gewölbearchitekturtyp von Fontenay unter, sondern wiederholte den archaischen Benediktinergrundriß der zweiten Kirche von Cluny, der sog. Cluny II. aus dem

10. Jahrhundert. Damit ist Stièna heute in ganz Europa die einzigste "unzisterziensische" Zisterzienserkirche. Geweiht wurde sie am 8. Juli 1156. Ihren Baumeister erwähnt eine Urkunde aus dem Ende des 12. Jahrhunderts, als "cementarius" Michael, französischer Herkunft.

Im Frühbarock, unter Abt Jakob Reinprecht (1603 - 1626), versuchte man der romanischen Abteikirche mit Wölbungen und neuer Verkleidung den Charakter eines Barockgebäudes zu verleihen. Das gelang nur teilweise, da heute noch der räumlich uneinheitliche, dreischiffige, romanische Grundriß mit Pfeilern und halbrunden Arkaden für den räumlichen Eindruck des Kirchenbaues von großer Bedeutung ist. Die barocke Architekturverschmückung mit ornamentalen Stuck, einer Reihe von Landeswappen am Gewölbe des Sängerchors und die Bischöfts - und Ordenswappen an den Seitenschiffsgewölben sowie das große, dekorativ wirkende Wappen des Abtes Jakob, dem Erneuerer der Basilika zu Stièna, sowohl als auch die Wandmalerien aus dem 17. Jahrhundert in der Kuppel und unter den Hauptschiffsgewölben können den Besucher nicht überzeugen, daß es sich um eine ursprüngliche Barockkirche handelt.

Neben einigen Grabplatten, unter denen der schönste Epitaph von Abt Jakob aus rotem Stein erarbeitet ist, besitzt auch die heutige, gesamte Kirchenausgestaltung barocken Charakter. Sie stammt aber nicht aus der Zeit des ersten Barockumbaus am Anfang des 17. Jahrhunderts - aus dieser Epoche ist die Marienskulptur im Hochaltar erhalten geblieben - sondern aus dem Spätbarock, nur einige Jahrzehnte vor der schicksalhaften Aufhebung des Klosters. In diesen Zeitabschnitt datieren wir auch den Hauptaltar und die zahlreichen Nebenaltäre, deren Qualität zwar nicht zum europäischen Höhepunkt zählt, die sich aber schön in das Ganze eingliedern, was auch für den Orgelschrank und die Kanzel gilt. Wir müssen auch auf die 14   Kreuzwegstationen aufmerksam machen, die der krainische Maler Fortunat Bergant, im Jahre 1766, gemalt hat und die in den geschnittzten Bilderrahmen aus der gleichen Zeit heute das größte bildende Kunstwerk der Klosterkirche Stièna darstellen. 

 

Südlich der Kirche befindet sich der Kreuzgang. Auch dieses tätige Kernstück des Klosters mit seinen Rahmenwänden folgt einem romanischen Grundriß. An diese Stilepoche erinnern heute vermauerte Rundbogenzugänge zu den ehemaligen Gemeinschaftsräumen, die aus dem Kreuzgang zugängig waren. Aus dem ersten Zeitabschnitt stammen auch zwei romanische Fenster, die einst den Kreuzweg mit dem Kapitelsaal im Ostflügel verbanden. Der vorherrschende Stilcharakter des Kreuzweges ist heute frühgotisch, der hölzerne Kreuzweg mit offenem Dachstuhl wurde nämlich im Jahre 1260 durch einen gemauerten ersetzt und mit einem Kreuzrippengewölbe versehen. Wegen der strengen Ordensauffassung zur bildenden Kunst wurden nur die Schlußsteine im etwas breiteren, direkt an der Kirche anschließenden, Gang mit figürlichen Darstellungen des leidenden Christus, des Agnus Dei und des Antlitz Christi geschmückt. Im Westgang am Laienbrüderflügel überraschen den Besucher große Frauen - und Männergesichter mit denen, die sonst überall einfachen und streng geometrischen Konsolen bildnerisch verziert sind. Aufmerksamkeit wecken auch die Gewölbemalereien im Kreuzweg, die neben verschiedenen Abbildungen aus dem Alten Testament, auch die Erzväter, die Prophetengeschichten von  Jona und Samson und andere Abbildungen aus der Sinnes - und Gefühlswelt des mittelalterlichen Menschen darstellen. Diese Ausmalungen, schon vor der Mitte des 14. Jahrhunderts entstanden, stellen eine gewisse abgebildete Enzyklopädie dieser Zeit vor. Ausgezeichnet erhalten haben sich zum Beispiel die Personifikationen der vier Hauptwinde, die Allegorie der vier Tugenden, die Erzväter und Propheten sowie einige Fabelwesen und die Opferung; doch viele von den einst 24 bemalten Gewölbejochen sind während der Zeit völlig zerstört und unerkennbar geworden. Mit seinen architektonischen, bildhauerischen und bildlichen Kunstwerken ist der Kreuzgang in Stièna auch als Träger eines Stimmungsbildes wichtig, obwohl wir ihn natürlich nicht mit anderen, europäischen Gipfelbeispielen dieses unentbehrbaren Klosterkernstücks vergleichen können. Während der verschiedenen Jahreszeiten, im Frühling, wenn inmitten seiner vier Gänge das Gras grünt und der Rasen blüht, und auch während der unterschiedlichen Tageszeiten, wenn die Sonne verschiedene Formen spitzbögiger Fensteröffnungen auf den Fußboden wirft, ändert sich sein Ausdruck immer von neuem und läd ein zum Erleben dieses ungewöhlichen, architetonischen Raumes, der das Herz des Klosters darstellt. In dem heutzutage verbauten, mitteralterlichen Zugang, über den die Mönche einst aus dem Kreuzweg in die Kirche zogen, befindet sich ein eingebauter, schöner Rittergrabstein des Grafen Pankraz von Auersperg, aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. In der Wandöffnung sind auch einige kostbare Bildhauereien, wie die Basis der großen romanischen Säule, die sich heute in der nicht weit entfernten Kirche in Šentvid befindet usw.  

Da die ebenerdige Raumanordnung rings um den Kreuzweg in allen Zisterzienserklostern sehr ähnlich war, gab es in Stièna am Kapitelsaal einen Korridor, der die Verbindung des Kreuzwegostflügels mit dem großen Osthof herstellte. Davon haben sich wenigstens teilweise noch romanische, halbrunde ffnungen im Kreuzgang und im Klosterhof erhalten. Die Existenz dieses Verbindungsganges wurde im Jahre 1997 durch archäologische Ausgrabungen bestättigt. An ihn lehnte sich ursprünglich das Parlatorium oder der Klosterausspracheraum an, der aber schon teilweise im 13. Jahrhundert als neu vorgeschriebener Kerker oder Karzer Nutzen fand. Im Kreuzgangboden hat sich noch eine gotisch gestaltete, rechteckige Linie erhalten. Im Barock wurde der Verbindungsgang und das ehemalige Parlatorium zu einem einheitlichen Raum, dem Kapitelsaal, verbunden, der an der Ostseite durch Hochfensteröffungen belichetet wird. Die Fenster schmücken neue Glasmalereien, die die Verkündigung, die Kreuzigung und das Pfingstfest abbilden. Die Verglasung wurde im Jahre 1991 von dem polnischen Maler St. Jakubczyk gestaltet. Im Jahre 1998 wurde ein neuer Holzboden verlegt und an den Wänden 37 Holzstühle angebracht. Mit viel Geschicklichkeit und Wissen hat diese der selbstgelehrte, einheimische Schnitzer und Bildhauer Jože Trontelj erarbeitet. An den Lehnen des Abtsstuhls und der beiden benachbarten Stühle wurden  Intarsien der Zisterzienserwappen von Stièna und der Abtei Wettingen - Mehrerau, die vor hundert Jahren für die Wiederbelebung des Klosters in Stièna gesorgt hat, eingelegt. An den trennenden Stützen zwischen den Lehnen sind im flachen Relief  41 Selige und Heilige von Stièna eingeschnitzt und sinngemäß angereiht. Der Ambon inmitten des Raumes wird von den Symbolen der vier Evangelisten, den Verfassern der Gotteslehre, getragen. Der so gestaltete Kapitelsaal ist für das Kloster ein schöner Erwerb unserer ra, denn jeder Zeitabschnitt hat den älteren Werten etwas Neues hinzugefügt; so verläuft eben das Leben.         

An der Südseite öffnet sich der Kreuzgang in den gemeinschaftlichen Speisesaal der Mönche. Er umfaßt das Untergeschoß des großen, in den Kreuzgarten rangenden, gotischen Gebäudes. Vorerst erstreckte sich der einräumige Speisesaal über die ganze Höhe, bis zum Dachstuhl und wurde von gotischen Hochfenstern belichtet. Im Barock wurde dieser einheitliche Raum durch Zwischengewölbe in zwei Räume unterteilt, so daß nun über dem Refektorium eine Klosterbibliothek eingerichetet wurde. Der Speisesaal besitzt ein Tonnengewölbe mit Nischenwölbungen, geziert durch barocke, dekorative und teilweise figürliche Stukkaturen. Die heute übertünchten Gewölbemedaillions waren ursprunglich mit Fresken des tiroler Malers Ferdinand Steiner (im Jahre 1704) ausgeschmückt.

In der Bibliothek, einem einfachen Saal mit flacher Decke, sind nur die Wände zwischen den Fenstern  mit Brustbildern legendärer, griechischer und römischer Weiser bemalt, in seitlichen Medaillons zwischen den Dekorationen befinden sich Szenen, die ihre Philosophie schildern, über den Gestalten sind lateinische Sprachbänder mit ihren Aussprüche. Diese Wandmalereien entsprechen dem Stil der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Leider sind die mit farbigen Initialien verzierten, berühmten Handschriften aus Stièna aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, die zum Höhepunkt der damaligen, europäischen Buchmalerei zählen, nicht mehr im Besitz der Klosterbibilothek. Nach der Aufhebung des Klosters wurden einige dieser Handschriften in die Nationalbibliothek nach Wien verlegt, der Großteil befindet sich heute in der National - und Universitätsbibliothek in Ljubljana.

 

Der romanische Kern des Klosters wurde in den späteren Jahrhunderten wegen neuer Bedürfnisse umgebaut und vergrößert. Im 16. Jahrhundert verlängerte Abt Wolfgang Neff (1550 - 1566) den Südflügel der Abtei weit nach Westen mit einem zweigeschössigen Flügel, der sich nach ihm Abtei Neff nennt. Aus dem Kreuzgarten kommt man in den Flur im Untergeschoß, der ein dreifaches Kreuzgratgewölbe hat, das dekorativ bemalt ist mit einem dichten Netz von Ranken und grünen Blättern, zwischen denen sich Blüten, verschiedene Beeren und Vögel flechten. Im Scheitel befindet sich das große, gemalte Wappen von Abt Wolfgang und im anderen Gewölbefeld das Wappen des steierischen Klosters Rein bei Graz, das bei der Gründung des Zisterzienerordens in Stièna das Mutterkloster vorstellte und auch später noch viele Klöster in diesem Teil Europas zu einer Art Bund vereinigte. Diese dekorative Malerie ist typisch für die Mitte des 16. Jahrhunderts.  

 

Die hochen Klosterbauten umschließen den großen Osthof, der gewöhnlich zuerst die Besucher dieser ehrenswerten Ordensansiedlung empfängt. Am Osten wird er von  einem langen, zweistöckigen, im Untergeschoß mit Arkaden versehenen Flügel geschlossen, durch den seit dem 18. Jahrhundert der Haupteingang des Klosters führte. Im Norden steht ein ausgezeichnetes, renaissances Gebäude, die sog. "alte Prälatur", gegen Westen schließt den Hof der uralte Kapitelflügel und neben ihm der östliche Abschluß der Ordenskirche mit ihrer stark verspäteten "Gotik" aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts sowie der barocke, lebendig gestaltete Kirchenturm über der Vierung. Erst im 18. Jahrhundert wurde die Südseite des Innenhofes mit einem repräsentanten Barockgebäude umgeben, das zwei niedrige Seitenflügel besitzt und im ersten Stock die "Abtkapelle" beherbergt .

 

Der Kapitelflügel ist in seinem Kern am ältesten. Bei Restaurierungsarbeiten fand man im Untergeschoß eine schöne romanische Bauweise und neben dem Rundbogeneingang, der einst den Innenhof mit dem Kreuzweg verband, auch noch eine Reihe von verschiedenartig gestalteten, vermauerten ffnungen, von denen wenigstens einige in der Romanik den gemeinschaftlichen Schlafsaal der Mönche im Obergeschoß beleuchteten. In diesem Gebäude wurde auch im 18. Jahrhundert der heutige Zugang ins Klosterinnere eingerichtet und im Gebäude am Fluß der heutige Haupteingang ins Kloster, der sog. Klosterpfortengang, der bis zum  18. Jahrhundert am oberen Ende des langen Flügelbaues am Fluß war, an dem jetzt der obere Turm steht. Am "gotischen" Presbyterium der Ordenskirche kann der Besucher die ausgegrabenen und freigelegten Fundamente der beiden halbrunden Apsiden der romanischen Basilika besichtigen. Zwei Graphiken von Valvasor bestättigen, daß der Hof am Ende des 17. Jahrhunderts gegen Süden noch nicht geschlossen war. Erst im 18. Jahrhundert entschloß sich Abt Wilhelm Kovaèiè (1734 - 1764) diese Lücke sinngemäß zu schließen und den großen Osthof im Geiste der Barockära einheitlich zu gestalten. Nach dem Vorbild anderer, wohlhabender, europäischer Klöster errichtete er einen repräsentativen Bau mit einem breit entworfenem Doppelttreppenhaus, die wir aus Schlössern und fürstlichen Palästen dieser Zeit kennen. Dieses Treppenhaus mit einer Fontäne im Untergeschoß führt zum prächtigen Saal im ersten Stock, den wir heute "Abtskapelle" nennen. Das Gebäude und die Innenarchitektur wurden erst zu Zeiten Abts Taufferers (1764 - 1784) vollendet. Dieser späten Zeit entsprechen die reichen Wandgesimsverzierungen, die leichten Stukkaturen und die mit typischen Motiven dieser Epoche geschmückten, intarsierten Türen. Der Festsaal wirkt leicht und verspielt im Sinne der spätbarocken ra, die leichten Farben entnehmen ihm jegliches Lebensgewicht, als ob das Leben ein einziges, verspieltes Lied sei. Diese Stimmung wird noch durch Wandmalereien voller christlicher Symbolik unterstrichen, die Arbeiten eines anonymen Malers sind, dem wir schon in der Klosterbibliothek begegnet sind.  

Die "alte Prälatur", nördlich den großen Osthof abgrenzend, hat ihre wirkliche Fassade im Norden, da dort einst die Klostergäste vorbeigingen als es noch nicht den heutigen, barocken Pfortengang gab. Der Bau scheint heute als eindrucksvoller und einheitlich zweigeschossiger Flügel. Wenn wir ihn aber näher betrachten, zeigt sich, daß sein Westteil etwas älter ist und als selbstständiger, fast turmhafter Bau entworfen wurde. Das beweisen auch die nach allen Richtungen geöffneten Schießlöcher, da schon zu seiner Entstehungszeit unter Abt Laurentius am Ende des 16. Jahrhunderts das Land von Türken und ihren balkanischen Begleitern befallen wurde. Der ältere Nordteil mit zwei turmhaften Eckerkern, die einst weit über das Dach ragten, besitzt eine Fassade mit Nordrenaissanceformen, die eine Schrifttafel mit dokumentarer Inschrift über das Erbauen und die Jahreszahl 1599 trägt. Die lateinische Inschrift berichtet, daß es sich um ein ehemaliges Gasthaus für Reiter handelt, die ausnahmswiese als Ehrengäste im Kloster beherbergt wurden und ihre Pferde im  geräumigen Untergeschoß lassen konnten. Wie schon in der Inschrift Abts Laurentius (1580 - 1600) anzeigt, wird sein Nachfolger Abt Jakob (1603 - 1626), der große frühbarocke Bauherr von Stièna und Förderer jeglicher Kunst, schon einige Jahre später das Gebäude gegen Osten verlängern. Das Steinportal, im Scheitel mit Wappen verziert, trägt die Jahreszahl 1605, das Renaissancefenster an der Südseite im zweiten Obergeschoß ist ein Jahr älter, auch diese Inschrift hier nennt Abt Jakob. In diesem Gebäude war einst die Klosterverwaltung und die Verwaltung des umfangreichen Klosterlandesbesitzes, das Bischofszimmer, wenn er Stièna besuchte, das Klosterarchiv und die der Muttergotters geweihte Hauskapelle. Die "aufgeklärte Zeit" während der Klosteraufhebung, im Jahre 1784, hat das Ganze zerstört und Ausstatttung, Kostbarkeiten sowie das hunderjährige Archiv von Stièna, in alle Richtungen zerstreut. Die "alte Prälatur" ist ein zweigeschossiger Bau mit mehreren größeren und kleineren Räumen. Im Untergeschoß sind zwei Durchgänge, die den inneren Klosterhof mit dem offenen Raum im Norden verbinden. Sehr räumlich ist der Durchgang im älteren Westteil, in dem einst die Pferde der Ehrengäste Platz fanden. Es handelt sich um einen Renaissancebau mit steinernen Wandpfeiler und einem Tonnengewölbe. Nach den Restaurierungsarbeiten entstand eine vornehme Räumlichkeit, die Sonderaussstellungen zur Verfügung steht. Dazu dienen auch die kleineren Räume, die im Ostteil des Flügels die andere Flurseite umgeben. Dort befindet sich das Klostergeschäft mit erlesenen Nahrungsmitteln und anderen Erzeugnissen,  an der gegenüberliegenden Flurseite ist ein kleinerer Saal, in dem Besucher ein audiovisuelles Programm über die Geschichte und die Sehenswürdigkeiten von Stièna betrachten können.

Im gesamten Obergeschoß sind Museums- und Galeriesammlungen des Slowenischen Glaubensmuseums zur Schau gestellt, das seinen Sitz im Kloster Stièna hat. Der mittlere Raum ist auch hier ein Korridor, der das ganze Innere des Gebäudes erfaßt und südlich sowie nördlich von Doppeltfenster (Biforen) belichtete wird, die deutlich die Zeichen ihrer Bauzeitepoche am Ende des 17. Jahrhunderts (1605 -06) tragen. Zahlreiche Exponate vom Mobiliar bis zum Geschirr stammen aus dem Nachlaß des Antiquitätensammlers Leopold Kozlevèar (1904 - 1988) aus Dolenjska, dessen Porträt von Matej Sternen, im Jahre 1947 gemalt wurde. In der Galerie sind eine Reihe von Bildwerken ab dem 16. Jahrhundert, eine Sammlung von Liturgiegeräten aus Metall, wie Kelche, Monstranzen, Kerzenleuchter usw. ausgestellt. Hier wird auch der Metallaltarschrein aus Stièna aufbewahrt. Man kann einige Siegel, alte Schriften und religiöse Tafelbilder von Fortunat Bergant, Valentin Metzinger, Anton Postla und anderen einheimischen Barockmeistern besichtigen. Ebenso sind alte Messegewändter, hin und wieder mittelalteriche Steinmetzwerke und einige Ziegelsteinerzeugnisse zur Schau gestellt. Ausgestellt sind auch zwei Modelle der romanischen und barocken Klosteranlage mit näherer Umgebung, die Herr Hubert Patzelt aus Hirschaid in Deutschland, ein großer Fachmann für Zisterzienserorden und Freund des Klosters in Stièna, erarbeitete hat. Auch die technische Dokumentationsunterlagen der Erforschungsarbeiten über die romanische Architektur in Stièna des Autoren dieses Führers, die Herr Patzelt bei beiden Modellen berücksichtigt hat, sind hier aufbewahrt. An der gegenüberliegenden Flurseite finden wir wieder Galerieausstellungsräume mit barocken Bildwerken und Skulpturen. Ein besonderer Raum ist der Bildersammlung des akademischen Malers und Paters Gabrijel Humek (1907 - 1993) gewidmet. Im anderen Raum sind Bücher und andere Gebrauchsgegenstände des Bischofts und Missionaren Friderik Baraga aufbewahrt. Im Bau am Fluß sind einige alte Bauernwerkzeuge und manche Handwerkswerkstätten, die einst auch im Kloster tätig waren, vorgestellt. Die Ausstellung umfaßt auch Votivbilder, Wallfahrtsgegenstände, religiöse Zeichen und Bildchen. Besichtigen können wir auch den Abguß der bedeutenden  "Madonna von Solèava", einer der ältesten Marienskulptur in Slowenien aus dem 13. Jahrhundert. Umfaßend ist auch die Sammlung von Glasbildern und hölzernen Kleinskulpturen aus dem Nachlaß von Leoplod Kozlevèar.

Das zweite Obergeschoß der "alten Prälatur" ist noch nicht als Museum eingerichtet. Es ist für die Darstellung der Entwicklungsgeschichte des Christentums in Slowenien vorgesehen. Nach fruchtbaren Restaurierungseingriffen offenbart dieses Obergeschoß seine, bald nach dem Gebäudebau im Jahre 1605, entstandene Innenarchitektur. Diese Jahreszahl wird wieder in einer lateinischen Inschrift genannt, die in den steinernen Türsturz eingemeißelt ist. Die Tür öffnet das ins zweite Obergeschoß führende Treppenhaus. Die Inschrift nennt Abt Jakob Reinprecht von Stièna im Jahre 1605 als Anreger des Baues "von den Fundamenten aufwärts", den großen Bauherrn von Stièna in der Epoche des Frühbarocks am Anfang des 17. Jahrhunderts. Auch im zweiten Stock ist der mittlere Raum ein großer Flur mit Doppeltfenstern an jeder Seite. Wie die restaurierte, gemalte Wanddekoration aus dem 17. Jahrhundert bezeugt, war der Flur vorerst mit einem Tonnengewölbe bedeckt, heute besitzt er eine verputzte, flache Decke. Hier finden wir zwei Steinportale mit steilem, dreieckigen Tympanon. In einem Tympanonfeld befinden sich das Wappen von Stièna mit einer Bischofsmütze und im anderen das Wappen von Stièna und Abt Reinprecht, der für die Innenausstattung des Baus gesorgt hat. Die Räume sind größtenteils mit verputzten, flachen Decken versehen, in zwei Sälen an der Nordseite sind noch ursprüngliche Holzdecken erhalten geblieben. Eine Holzdecke besteht aus parallelen Bretter auf starkem Gebälk, die andere ist eine Kassettendecke verschiedener geometrischer Formen mit kunstvoller Ausschmückung, typisch für das 17. Jahrhundert. Aufschlußreich bezeugen die Schießlöcher in der heutigen Zwischenwand, daß der ältere, turmhafte Baukörper im Westteil, schon am Ende des 16. Jahrhunderts erbaut wurde und einige Zeit ein selbstständiger Bau war, da diese Orte in diesem Zeitabschnitt schon von Türken besucht und "beglückt" wurden. Auch das Eckzimmer mit Erkern war mit Wandmalereien geschmückt. Die ersten Wandverziehrungen, Inschriften von Namen einiger Heiligen und die vier Kirchenväter stammen schon aus dem Frühbarock. Teilweise wurde dieser Raum im Rokoko wieder bemalt, aber auch diese zierlichen Malereien sind nicht wesentlich besser erhalten geblieben.  

Besonders reich ist der Wandschmuck in den kleineren Räumen am oberen Turm, in dem einst der Hauptpfortengang des Klosters war. Der mittlere Flur ist am Gewölbe mit Stukkaturen der Allegorien der vier Jahreszeiten und seitlich mit bemalten Wappen in plastischen Medaillionen verziert. Bildnerisch reich ausgestattet ist das Kreuzgewölbe des kleinen Raumes. Zwischen Jagdszenen schlingen sich Ranken, an den Wänden sind Wappen der bte von Stièna, des Landes Krain und der Nachbarländer. Diese Malereien sind eine bedeutende Bereicherung unserer Kenntnisse über die slowenische Wandmalerei in der Frühbarockära, doch können sie in diesem kurzen Führer nicht näher erläutert werden.

Wegen des Baus der "alten Prälatur" wurde um 1600 fast gänzlich die romanische Kapelle des Hl. Paulus am mitteralterlichen Klosterpfortengang abgerissen, weil sie sonst den neuen Baukörper hindern würde. Bei Ausgrabungen im Jahre 1954 wurde entdeckt, daß diese "Ostkapelle" ein rechteckiges Längsschiff und als Altarraum eine halbrunde Apside hatte. Diese ragte schon außerhalb der Baulinie des Längsgebäudes am Fluß. Erhalten geblieben sind ihr halbrunder Ehrenbogen und das romanische Fenster an der Südseite. An dem restlichen Teil der nördlichen Schiffswand, die eine typisch romanische Bauweise darstellt, befand sich noch vor einiger Zeit an der Außenwand eine gotische Freske, des Hl. Eligius, dem Patron der Hufschmiede, Pferdeknechte und Kutscher; Mitte des 15. Jahrhunderts wurde sie von dem berühmten gotischen Freskanten Janez aus Ljubljana aufgebracht, der im Auftrag des Klosters von Stièna in vielen umgebenden Kirchen tätig war.

Die abgenommene Freske wird heute im Museum von Stièna aufbewahrt, zusammen mit dem großen, gleichzeitig entstandenen Wappen, das einst den eindrucksvollen Bau am Fluß zierte.

Das Abbild des Hl. Eligius schmückte diese Wand, weil  dort vorbeigehende Ehrengäste und Besucher durch den ehemaligen Klosterpfortengang gingen. Dort wo jetzt der imposante, obere Turm steht, mit dem der zweigeschossige Baukörper am Fluß endet, war durch das ganze Mittelalter hindurch, der Hauptpfortengang des Klosters und gegenüber die "äußere" Kapelle des Hl. Paulus. In der Kapelle waren Messen für Besucher und insbesondere für Frauen, die einst nicht in die Ordenskirche durften, da das ganze Kloster unter Klausur stand. Im 18. Jahrhundert wurde dieser alte Klosterpfortengang aufgehoben und mit dem neuen, monumentalen Barockeingang in der Mitte des Ostgebäudes am Fluß ersetzt, der noch heute der Haupteingang des Klosters ist.

An den ehemaligen Pfortengang erinnern die romanischen "Pfortenkapelle" und vor allem der gewölbte, mit reichen, figürlichen und dekorativen Stukkaturen geschmückte

Ostturmdurchgang. Am Tonnengewölbe erscheinen in länglichen Medaillionen die vier lateinischen Kirchenväter: Hl. Ambrosius, Hl. Augustinus, Hl. Gregor und Hl. Hieronymus. Am unteren Teil der Gewölbekrümmung ist an der einen Seite eine große Komposition der Kreuzigung, mit zahlreichen Figuren, ihr gegenüber steht eine lebendig bewegte, massenhafte Szene der Kreuzaufrichtung. Bemerkenswert erscheint an der Ostseite, über dem Pfortengangbogen, das große, gesprächige und erzählende Jüngste Gericht, das noch viel mittelalterliche Ikonographie enthält, von gotischen Fresken übernommen, bereichert mit Szenen volkstümlicher Phantasie. Initialien, zwei Wappen und die Jahrezahl 1620, am Bogenscheitel bestätigen, daß diese Stukkaturen der erste Barockbauherr des mittelalterlichen Klosters Abt Jakob gestiftet hat. Das sind die ersten Barockstukkaturen in Slowenien, sie sind aber auch ein frühes, bemerkenswertes Beispiel im weitreichenden, europäischen Kulturbereich.

Im Jahre 1944 wurde, nach Abbruch des vorübergehenden Wirtschaftsgebäudes im "Schneckengarten", die 22 m lange Westfasade des einstöckigen Laienbrüderflügels entdeckt. Im Untergeschoß ließen sich schon vorher vermauerte Fenster romanischer Formen erkennen. Nunmehr kann man originale Fensteröffnungen im Obergeschoß und zwischen ihnen auch einen halbrunden Eingang betrachten. Die oberen Fensterchen haben offensichtlich den gemeinschaflichen Laienschlafsaal im ersten Obergeschoß beleuchtet und gelüftet, die unteren, den Gemeinschaftsspeisesaal, in dem später die Vorratskammer und der Weinkeller waren, die sich noch heute dort befinden. Erhaltene rechteckige ffnungen in der Wand belegen Lagerstellen hölzener Deckenbalken im Untergeschoß, gleichzeitig waren sie auch für die Träger des Außenganges im ersten Obergeschoß bestimmt, das durch Treppen den Eintritt in den Schlafsaal und aus diesem in die Klosterkirche, durch einen besonderen Laienbrüderzugang im westlichsten Teil der Kirche, ermöglichten. Der Außengang wurde im 17. Jahrhundert beim Verkürzen der Ordenskirche abgebrochen. Die Entdeckung dieser romanischen Fasade ist eine interessante Errungenschaft für das Wissensgebiet des ältesten Klosterbaukörpers von Stièna und auch seines Laienbrüderflügels und die Antwort auf die bislang offene Frage, wie die Laienbrüder aus ihren Wohnräumen völlig getrennt von den Patern die Kirche erreichten.

 

Neben den Klostergebäuden außerhalb des Innenklosters muß der riesige Kornspeicher genannt werden, der an der südwestlichen Seite von der Klosterummauerung umfaßt wird. Dieses mächtige Wirtschaftsgebäude, mit drei gewölbten Etagen übereinander, ist ein wahres technisches Meisterwerk seiner Zeit, das der 43. adlige Abt von Stièna Ludwig Raumbschüssel (1680 - 1687) im Jahre 1683 völlig neu erbauen ließ. Da die Türken im

15. Jahrhundert auf ihren Plünderungswegen aus Bosnien über Krain und Kärnten nach Mitteleuropa, immer wieder das Kloster in Stièna bedrohten, befestigten die Mönche die schon vorher ummauerte Klosteranlage noch stärker mit einer mächtigeren Umfassungsmauer und den Türmen. Abt Urban Paradiž (1516 - 1523) erbaute um 1519 sogar eine selbstständige, rechteckige Festung. Sie hatte runde Ecktürme, von denen noch drei erhalten geblieben sind, und in der Mitte einen eindrucksvollen, rechteckigen Turm mit Abwehrvorrichtungen seiner Zeit wie ein "Bergfried" in einer Burg. Die Klosterummauerung ist  hauptsächlich an der Süd- und Westseite erhalten geblieben, wo sie  teilweise 8 m hoch ist. 

 

Der schon erwähnte Abt Jakob Reinprecht, großer Bauherr und erster barocker Umgestalter des mittelalterlichen Klosters in Stièna, ließ inmitten des Blumengartens westlich der Kirche eine schattige Gartenlaube errichten, in der er sich mit Gästen in heißen Sommertagen aufhielt. Im Geiste seiner Zeit erbaute er ein achteckiges Zentralgebäude. An vier Ecken sind halbrunde Eingänge und an den anderen vier Seiten ebenso geformte Fenster. Der Raum ist mit einer achtseitigen Kuppel überwölbt. Auf der Spitze des pyramidenförmigen Ziegeldaches befindet sich eine eiserne Windfahne, verziert mit einem Putto als Bogenschützen, neben ihm das Wappen von Jakob, mit drei Lilien und über ihm die großen Buchstaben PDIAS, die als lateinische Anfangsbuchstaben bedeuten, daß diesen Pavillon Abt von Stièna, Herr Jakob, errichten ließ. Derartige Gartenlauben finden wir in dieser Zeit hauptsächlich in Schloßgärten.   

Von allen bekannten Gartenpavillons ist nur das in Stièna aus den 20er Jahren des 17. Jahrhunderts erhalten geblieben und ist dadurch so bedeutendswert.

 

Ein Teil des ummauerten Gartens dient als Meditationspark. Völlig abgegrenzt von den anderen Flächen und gepflegt angelegt mit beruhigenden Grünflächen. An den Wänden ringsum schwingen sich Weinreben empor, die edlen, biblischen Pflanzen, die im Herbst einen ergiebigen Ertrag des edlen, klostereigenen Hausweines liefern. Weinreben umgeben auch Plätze für kleinere Gruppen oder persönliches Nachdenken. Im Gras stehen auf  steinernen Sockeln hölzerne Skuplturen des Christus, der Muttergottes und der zwei bedeutendsten Trägern des westlichen Mönchtums, des Hl. Benedikts und des Hl. Bernhards, dem großen Zisterzienser, nach dem das 12. Jahrhundert der europäischen Geschichte auch als "Jahrhundert des Hl. Bernhards" genannt wird. Die Skulpturen wurden in den letzten Jahren von dem einheimischen, selbstgelehrten Bildhauer Jože Trontelj geschnitzt. - Was für eine herrliche,  friedliche Oase ist dieser Meditationspark inmitten unserer unruhigen und angestrengten Welt!

 

Das Kloster in Stièna besteht schon fast seit 900 Jahren mit seinem romanischen Kern, der Ordenskirche und dem Kreuzweg. Von 1784 bis 1898 wurde das Ordensleben gewaltsam unterbrochen. Stièna mit seiner riechen und langen Vergangenheit, ist ein bedeutendes historisches Denkmal. Während den Jahrhunderten entwickelt sich das Kloster zu einer umfangreichen Gebäudeanlage, die alle bedeutenden, europäischen Kunstzüge: von der anfänglichen Romanik über die Gotik und Renaissance, bis hin zum Barock, trägt. Stièna ist daher ein wichtiges kunsthistorisches Denkmal.   

Unser Bewußtsein über die Bedeutung des Klosters in Stièna hat sich von die anfänglichen Beschreibungsversuchen, Ende des 19. Jahrhunderts, besonders in den letzten Jahrzehnten, wesentlich bereichert. Besondere Aufmerksamkeit wurde natürlich der noch erhaltenen romanischen Architektur gewidmet, mit dem Grundriß der Ordenskirche aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, die im Rahmen der frühzisterziensischen Architektur von europaweiter Bedeutung ist. Heute wissen wir über Stièna viel mehr als einst, doch werden wir nie alles erfahren, das dieses ehrenwerte Kloster vor unseren Kenntnissen verbirgt. Noch immer bleibt es für uns ein fesselndes Geheimnis, das uns immer von neuem hinter seine Klosterwände einläd, damit wir sein letztes, eifersüchtig in sich verborgenes Geheimnis offenbaren.

Insbesonders zweimal erreichte die Architektur und die bildende Kunst in Stièna seine goldene ra: beim Entstehen im 12. Jahrhundert und im Zeitabschnitt der großen Barockentfaltung. Romanik und Barock sind die beiden Hauptepochen der kunstgeschichtlichen Gestalt des Klosters in Stièna.

Stièna war in seiner langjährigen Geschichte religiöses und kulturelles Kulturzentrum von Dolenjska, dem Landschaftsgebiet Sloweniens. Noch heute und vorallem auch zukünftig wünscht das Kloster seine vorzügliche Botschaft in geistiger und allseitig kultureller Hinsicht beizubehalten und verstärkt weiterzuführen. 

Wir wünschen mit den Worten des Psalmisten auch in Zukunft Stièna: "Es soll Frieden hinter deinen Wänden herrschen"

                                                                                        (Psalm 122, 7)

 

Ins Deutsche übertragen von Mirjam und Hermann Behek


PATER SIMONS 
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