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Marijan
Zadnikar
Das
Kloster Stièna
Kunsthistorischer
Führer
Das
große geistliche Wirren im Kampf um die Vorherrschaft zwischen dem römischen
Papst
und dem deutschen Kaiser, der sogenannten Investiturstreit, und der
Beginn der Kreuzzüge am Ende des 11. Jahrhunderts erfaßten Westeuropa
und ließen auch sein Mönchtum nicht unberührt. Der uralte
Benediktinerorden unterlag trotz erneuter Reformen, die aus Cluny, dem
französischen Rom kamen, dem weltlichen Reichtum und der Macht und
entfernte sich von der Regula oder der Regel seines Gründers, dem Hl.
Benedikt, vom Grundprinzip: Ora et labora, bete und arbeite; und
verdiene beim Beten dein alltägliches Brot allein. Einige
widerstetzliche Mönche aus dem Benediktinerkloster zu Molesme im französischen
Burgund entschlossen sich, sich in Einsamkeit zurückzuziehen, um ein
neues, einfaches und bescheidenes Gemeinschaftsleben zu führen, wie es
vor sechshundert Jahren der Hl. Benedikt, Vater des westlichen Mönchtums,
eingeführt hatte. So entstand im moorigen Flachland südlich von Dijon
das "neue Kloster" Cîteaux, das dem neuen
Zisterzienserorden
auch den Namen verliehen hat. Das geschah genau vor 900 Jahren, im Jahre
1098. Der neue Orden breitete sich europaweit rasch aus. Als sein größter
Geist der Hl. Bernhard, Abt von Clairvaux, im Jahre 1153 starb, gab es
schon 343 Ordenshäuser.
Schon
dreißig Jahre nach der Gründung des Zisterzienserordens entstand, im
Jahre 1132, in der geborgenen Hügellandschaft von Dolenjska, die Abtei
Stièna, das älteste Kloster im engeren slowenischen Gebiet. Für die
wahre und rechtliche Gründung (1135/1136) kümmerte sich als zuständiger
Bischof Patriarch Peregrin von Aquileia, dessen Einfluß bis nach
Burgund reichte, dem Vaterland des Zisterzienserordens, woher die ersten
Mönche zusammen mit ihrem französischen Baumeister Michael, nach Stièna
kamen. In den folgenden Jahrhunderten bescherten zahlreiche fürstliche
Stifter das Kloster reich, großen Schaden erlitt es durch
Türkeneinfälle, besonders in der zweiten Hälfte des 15.
Jahrhunderts. Im 17.
Jahrhundert entfaltete sich das Kloster stark, am 6. Oktober 1784
ordnete Kaiser Josef II. die Aufhebung des Klosters an. Durch die
Erneuerung im Jahre 1898 kehrte wieder das Ordensleben ins Kloster zurück.
Heute ist Stièna trotz einer geringeren Anzahl von Mönchen lebendig
und entwickelt sich zu einem geistigen und kulturellen Brennpunkt.
In
gut 800 Jahren seines Bestehens entwickelte sich das Kloster Stièna in
ein umfassendes und sinnvoll gestaltetes Gebäudegefüge, das ummauert
und mit Türmen zur Wehr gegen die Türkeneinfälle am Ende des 15.
Jahrhunderts befestigt wurde. In diesem Gebäudekörper ist
bis heute auch der ältestes Kern des Klosters, aus der Gründungszeit,
im 12. Jahrhundert erhalten geblieben. Die Ordenskirche, der Kreuzgang,
die Kreuzgangflügel und die äußere oder östliche Kapelle des Hl.
Paulus sowie auch die, eng an der äußeren Ummauerung der Nordseite
liegende, Kirche der Hl. Katharina, von der lediglich die ausgegrabenen
Fundamente erhalten
geblieben sind, stammen also noch aus der romanischen Stilepoche.
Die
Ordenskirche, die zisterziensischem Brauch folgend der Muttergottes
Gottes geweiht ist, verbirgt heute ihr 850 - jähriges Alter, da ihr
interessantester Teil, der basilikale Fenstergaden von einem jüngeren
Giebeldach, mit dem man nach dem ersten Barockumbau am Anfang des 17.
Jahrhunderts die Kirche überdeckt hat, versteckt wird. Damals bliebt über
den Barockgewölben des heutigen Dachstuhls der gesamte Obergaden der
romanischen Basilika mit einer Doppeltreihe von Hochfenstern erhalten
und mit vielen Beweisen, daß früher die ganze Kirche mit dem
dreischiffigen Längshaus, dem Querhaus und der Vervierung mit einer
flachen Holzdecken bedeckt war. An die Romanik erinnern im barocken
Innenraum neben dem Kirchengrundriß nur noch zwei Arkadenreihen mit
sechs Paaren halbrunder Bögen, um sieben wurde die romanische Kirche an
der Westseite während der barocken Umgestaltung im 17. Jahrhundert verkürzt.
Wir könnten im Geiste die romanische Kirche rekonstruieren, wenn wir
die romanische Hauptapside vor dem Hochaltar unter dem Boden, die
ausgegrabenen Fundamente der beiden Seitenapsiden im östlichen Innenhof
und auch die freigelegten Fundamente der kleinen Apsiden des Querhauses
in der "alten Sakristei" sowie natürlich den Fenstergaden im
Dachstuhl, besichtigen würden. Es war eine dreischiffige, flachbedeckte
Pfielerbasilika mit einem Querhaus und zwei langen Kapellen am
Chorquadrat. Alle drei Altarräume enden mit halbrunden Apsiden in einer
geraden Linie, zwei kleine Apsiden befinden sich noch an den
Querhausarmen. Die so entworfene Ordenskirche ordnete sich nämlich
nicht dem sog. bernhardischen Grundriß und dem burgundischen Gewölbearchitekturtyp
von Fontenay unter, sondern wiederholte den archaischen
Benediktinergrundriß der zweiten Kirche von Cluny, der sog. Cluny II.
aus dem
10.
Jahrhundert. Damit ist Stièna heute in ganz Europa die einzigste
"unzisterziensische" Zisterzienserkirche. Geweiht wurde sie am
8. Juli 1156. Ihren Baumeister erwähnt eine Urkunde aus dem Ende des
12. Jahrhunderts, als "cementarius" Michael, französischer
Herkunft.
Im
Frühbarock, unter Abt Jakob Reinprecht (1603 - 1626), versuchte man der
romanischen Abteikirche mit Wölbungen und neuer Verkleidung den
Charakter eines Barockgebäudes zu verleihen. Das gelang nur teilweise,
da heute noch der räumlich uneinheitliche, dreischiffige, romanische
Grundriß mit Pfeilern und halbrunden Arkaden für den räumlichen
Eindruck des Kirchenbaues von großer Bedeutung ist. Die barocke
Architekturverschmückung mit ornamentalen Stuck, einer Reihe von
Landeswappen am Gewölbe des Sängerchors und die Bischöfts - und
Ordenswappen an den Seitenschiffsgewölben sowie das große, dekorativ
wirkende Wappen des Abtes Jakob, dem Erneuerer der Basilika zu Stièna,
sowohl als auch die Wandmalerien aus dem 17. Jahrhundert in der Kuppel
und unter den Hauptschiffsgewölben können den Besucher nicht überzeugen,
daß es sich um eine ursprüngliche Barockkirche handelt.
Neben
einigen Grabplatten, unter denen der schönste Epitaph von Abt Jakob aus
rotem Stein erarbeitet ist, besitzt auch die heutige, gesamte
Kirchenausgestaltung barocken Charakter. Sie stammt aber nicht aus der
Zeit des ersten Barockumbaus am Anfang des 17. Jahrhunderts - aus dieser
Epoche ist die Marienskulptur im Hochaltar erhalten geblieben - sondern
aus dem Spätbarock, nur einige Jahrzehnte vor der schicksalhaften
Aufhebung des Klosters. In diesen Zeitabschnitt datieren wir auch den
Hauptaltar und die zahlreichen Nebenaltäre, deren Qualität zwar nicht
zum europäischen Höhepunkt zählt, die sich aber schön in das Ganze
eingliedern, was auch für den Orgelschrank und die Kanzel gilt. Wir müssen
auch auf die 14 Kreuzwegstationen
aufmerksam machen, die der krainische Maler Fortunat Bergant, im Jahre
1766, gemalt hat und die in den geschnittzten Bilderrahmen aus der
gleichen Zeit heute das größte bildende Kunstwerk der Klosterkirche
Stièna darstellen.
Südlich
der Kirche befindet sich der Kreuzgang.
Auch dieses tätige Kernstück des Klosters mit seinen Rahmenwänden
folgt einem romanischen Grundriß. An diese Stilepoche erinnern heute
vermauerte Rundbogenzugänge zu den ehemaligen Gemeinschaftsräumen, die
aus dem Kreuzgang zugängig waren. Aus dem ersten Zeitabschnitt stammen
auch zwei romanische Fenster, die einst den Kreuzweg mit dem Kapitelsaal
im Ostflügel verbanden. Der vorherrschende Stilcharakter des Kreuzweges
ist heute frühgotisch, der hölzerne Kreuzweg mit offenem Dachstuhl
wurde nämlich im Jahre 1260 durch einen gemauerten ersetzt und mit
einem Kreuzrippengewölbe versehen. Wegen der strengen Ordensauffassung
zur bildenden Kunst wurden nur die Schlußsteine im etwas breiteren,
direkt an der Kirche anschließenden, Gang mit figürlichen
Darstellungen des leidenden Christus, des Agnus Dei und des Antlitz
Christi geschmückt. Im Westgang am Laienbrüderflügel überraschen den
Besucher große Frauen - und Männergesichter mit denen, die sonst überall
einfachen und streng geometrischen Konsolen bildnerisch verziert sind.
Aufmerksamkeit wecken auch die Gewölbemalereien im Kreuzweg, die neben
verschiedenen Abbildungen aus dem Alten Testament, auch die Erzväter,
die Prophetengeschichten von Jona
und Samson und andere Abbildungen aus der Sinnes - und Gefühlswelt des
mittelalterlichen Menschen darstellen. Diese Ausmalungen, schon vor der
Mitte des 14. Jahrhunderts entstanden, stellen eine gewisse abgebildete
Enzyklopädie dieser Zeit vor. Ausgezeichnet erhalten haben sich zum
Beispiel die Personifikationen der vier Hauptwinde, die Allegorie der
vier Tugenden, die Erzväter und Propheten sowie einige Fabelwesen und
die Opferung; doch viele von den einst 24 bemalten Gewölbejochen sind während
der Zeit völlig zerstört und unerkennbar geworden. Mit seinen
architektonischen, bildhauerischen und bildlichen Kunstwerken ist der
Kreuzgang in Stièna auch als Träger eines Stimmungsbildes wichtig,
obwohl wir ihn natürlich nicht mit anderen, europäischen
Gipfelbeispielen dieses unentbehrbaren Klosterkernstücks vergleichen können.
Während der verschiedenen Jahreszeiten, im Frühling, wenn inmitten
seiner vier Gänge das Gras grünt und der Rasen blüht, und auch während
der unterschiedlichen Tageszeiten, wenn die Sonne verschiedene Formen
spitzbögiger Fensteröffnungen auf den Fußboden wirft, ändert sich
sein Ausdruck immer von neuem und läd ein zum Erleben dieses ungewöhlichen,
architetonischen Raumes, der das Herz des Klosters darstellt. In dem
heutzutage verbauten, mitteralterlichen Zugang, über den die Mönche
einst aus dem Kreuzweg in die Kirche zogen, befindet sich ein
eingebauter, schöner Rittergrabstein des Grafen Pankraz von Auersperg,
aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. In der Wandöffnung sind auch einige
kostbare Bildhauereien, wie die Basis der großen romanischen Säule,
die sich heute in der nicht weit entfernten Kirche in Šentvid befindet
usw.
Da
die ebenerdige Raumanordnung rings um den Kreuzweg in allen
Zisterzienserklostern sehr ähnlich war, gab es in Stièna am
Kapitelsaal einen Korridor,
der die Verbindung des Kreuzwegostflügels mit dem großen Osthof
herstellte. Davon haben sich wenigstens teilweise noch romanische,
halbrunde
ffnungen im Kreuzgang und im Klosterhof erhalten. Die
Existenz dieses Verbindungsganges wurde im Jahre 1997 durch archäologische
Ausgrabungen bestättigt. An ihn lehnte sich ursprünglich das Parlatorium
oder der Klosterausspracheraum an, der aber schon teilweise im 13.
Jahrhundert als neu vorgeschriebener Kerker oder Karzer Nutzen fand. Im
Kreuzgangboden hat sich noch eine gotisch gestaltete, rechteckige Linie
erhalten. Im Barock wurde der Verbindungsgang und das ehemalige
Parlatorium zu einem einheitlichen Raum, dem Kapitelsaal,
verbunden, der an der Ostseite durch Hochfensteröffungen belichetet
wird. Die Fenster schmücken neue Glasmalereien, die die Verkündigung,
die Kreuzigung und das Pfingstfest abbilden. Die Verglasung wurde im
Jahre 1991 von dem polnischen Maler St. Jakubczyk gestaltet. Im Jahre
1998 wurde ein neuer Holzboden verlegt und an den Wänden 37 Holzstühle
angebracht. Mit viel Geschicklichkeit und Wissen hat diese der
selbstgelehrte, einheimische Schnitzer und Bildhauer Jože Trontelj
erarbeitet. An den Lehnen des Abtsstuhls und der beiden benachbarten Stühle
wurden Intarsien der
Zisterzienserwappen von Stièna und der Abtei Wettingen - Mehrerau, die
vor hundert Jahren für die Wiederbelebung des Klosters in Stièna
gesorgt hat, eingelegt. An den trennenden Stützen zwischen den Lehnen
sind im flachen Relief 41 Selige und Heilige von Stièna eingeschnitzt und sinngemäß
angereiht. Der Ambon inmitten des Raumes wird von den Symbolen der vier
Evangelisten, den Verfassern der Gotteslehre, getragen. Der so
gestaltete Kapitelsaal ist für das Kloster ein schöner Erwerb unserer
ra, denn jeder Zeitabschnitt hat den älteren Werten
etwas Neues hinzugefügt; so verläuft eben das Leben.
An
der Südseite öffnet sich der Kreuzgang in den gemeinschaftlichen Speisesaal der Mönche. Er umfaßt das Untergeschoß des großen, in
den Kreuzgarten rangenden, gotischen Gebäudes. Vorerst erstreckte sich
der einräumige Speisesaal über die ganze Höhe, bis zum Dachstuhl und
wurde von gotischen Hochfenstern belichtet. Im Barock wurde dieser
einheitliche Raum durch Zwischengewölbe in zwei Räume unterteilt, so
daß nun über dem Refektorium eine Klosterbibliothek eingerichetet
wurde. Der Speisesaal besitzt ein Tonnengewölbe mit Nischenwölbungen,
geziert durch barocke, dekorative und teilweise figürliche Stukkaturen.
Die heute übertünchten Gewölbemedaillions waren ursprunglich mit
Fresken des tiroler Malers Ferdinand Steiner (im Jahre 1704) ausgeschmückt.
In
der Bibliothek, einem
einfachen Saal mit flacher Decke, sind nur die Wände zwischen den
Fenstern mit Brustbildern
legendärer, griechischer und römischer Weiser bemalt, in seitlichen
Medaillons zwischen den Dekorationen befinden sich Szenen, die ihre
Philosophie schildern, über den Gestalten sind lateinische Sprachbänder
mit ihren Aussprüche. Diese Wandmalereien entsprechen dem Stil der
zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Leider sind die mit farbigen
Initialien verzierten, berühmten Handschriften aus Stièna aus der
zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, die zum Höhepunkt der damaligen,
europäischen Buchmalerei zählen, nicht mehr im Besitz der
Klosterbibilothek. Nach der Aufhebung des Klosters wurden einige dieser
Handschriften in die Nationalbibliothek nach Wien verlegt, der Großteil
befindet sich heute in der National - und Universitätsbibliothek in
Ljubljana.
Der
romanische Kern des Klosters wurde in den späteren Jahrhunderten wegen
neuer Bedürfnisse umgebaut und vergrößert. Im 16. Jahrhundert verlängerte
Abt Wolfgang Neff (1550 - 1566) den Südflügel der Abtei weit nach
Westen mit einem zweigeschössigen Flügel, der sich nach ihm Abtei
Neff nennt. Aus dem Kreuzgarten kommt man in den Flur im Untergeschoß,
der ein dreifaches Kreuzgratgewölbe hat, das dekorativ bemalt ist mit
einem dichten Netz von Ranken und grünen Blättern, zwischen denen sich
Blüten, verschiedene Beeren und Vögel flechten. Im Scheitel befindet
sich das große, gemalte Wappen von Abt Wolfgang und im anderen Gewölbefeld
das Wappen des steierischen Klosters Rein bei Graz, das bei der Gründung
des Zisterzienerordens in Stièna das Mutterkloster vorstellte und auch
später noch viele Klöster in diesem Teil Europas zu einer Art Bund
vereinigte. Diese dekorative Malerie ist typisch für die Mitte des 16.
Jahrhunderts.
Die
hochen Klosterbauten umschließen den großen
Osthof, der gewöhnlich zuerst die Besucher dieser ehrenswerten
Ordensansiedlung empfängt. Am Osten wird er von einem langen, zweistöckigen, im Untergeschoß mit Arkaden
versehenen Flügel geschlossen, durch den seit dem 18. Jahrhundert der
Haupteingang des Klosters führte. Im Norden steht ein ausgezeichnetes,
renaissances Gebäude, die sog. "alte Prälatur", gegen Westen
schließt den Hof der uralte Kapitelflügel und neben ihm der östliche
Abschluß der Ordenskirche mit ihrer stark verspäteten
"Gotik" aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts sowie der barocke,
lebendig gestaltete Kirchenturm über der Vierung. Erst im 18.
Jahrhundert wurde die Südseite des Innenhofes mit einem repräsentanten
Barockgebäude umgeben, das zwei niedrige Seitenflügel besitzt und im
ersten Stock die "Abtkapelle" beherbergt .
Der
Kapitelflügel ist in seinem
Kern am ältesten. Bei Restaurierungsarbeiten fand man im Untergeschoß
eine schöne romanische Bauweise und neben dem Rundbogeneingang, der
einst den Innenhof mit dem Kreuzweg verband, auch noch eine Reihe von
verschiedenartig gestalteten, vermauerten
ffnungen, von denen wenigstens einige in der Romanik den
gemeinschaftlichen Schlafsaal der Mönche im Obergeschoß beleuchteten.
In diesem Gebäude wurde auch im 18. Jahrhundert der heutige Zugang ins
Klosterinnere eingerichtet und im Gebäude am Fluß der heutige
Haupteingang ins Kloster, der sog. Klosterpfortengang,
der bis zum 18. Jahrhundert
am oberen Ende des langen Flügelbaues am Fluß war, an dem jetzt der
obere Turm steht. Am "gotischen" Presbyterium der Ordenskirche
kann der Besucher die ausgegrabenen und freigelegten Fundamente der
beiden halbrunden Apsiden der romanischen Basilika besichtigen. Zwei
Graphiken von Valvasor bestättigen, daß der Hof am Ende des 17.
Jahrhunderts gegen Süden noch nicht geschlossen war. Erst im 18.
Jahrhundert entschloß sich Abt Wilhelm Kovaèiè (1734 - 1764) diese Lücke
sinngemäß zu schließen und den großen Osthof im Geiste der Barockära
einheitlich zu gestalten. Nach dem Vorbild anderer, wohlhabender, europäischer
Klöster errichtete er einen repräsentativen Bau mit einem breit
entworfenem Doppelttreppenhaus, die wir aus Schlössern und fürstlichen
Palästen dieser Zeit kennen. Dieses Treppenhaus mit einer Fontäne im
Untergeschoß führt zum prächtigen Saal im ersten Stock, den wir heute
"Abtskapelle" nennen. Das Gebäude und die
Innenarchitektur wurden erst zu Zeiten Abts Taufferers (1764 - 1784)
vollendet. Dieser späten Zeit entsprechen die reichen
Wandgesimsverzierungen, die leichten Stukkaturen und die mit typischen
Motiven dieser Epoche geschmückten, intarsierten Türen. Der Festsaal
wirkt leicht und verspielt im Sinne der spätbarocken
ra, die leichten Farben entnehmen ihm jegliches
Lebensgewicht, als ob das Leben ein einziges, verspieltes Lied sei.
Diese Stimmung wird noch durch Wandmalereien voller christlicher
Symbolik unterstrichen, die Arbeiten eines anonymen Malers sind, dem wir
schon in der Klosterbibliothek begegnet sind.
Die
"alte Prälatur", nördlich den großen Osthof abgrenzend,
hat ihre wirkliche Fassade im Norden, da dort einst die Klostergäste
vorbeigingen als es noch nicht den heutigen, barocken Pfortengang gab.
Der Bau scheint heute als eindrucksvoller und einheitlich
zweigeschossiger Flügel. Wenn wir ihn aber näher betrachten, zeigt
sich, daß sein Westteil etwas älter ist und als selbstständiger, fast
turmhafter Bau entworfen wurde. Das beweisen auch die nach allen
Richtungen geöffneten Schießlöcher, da schon zu seiner
Entstehungszeit unter Abt Laurentius am Ende des 16. Jahrhunderts das
Land von Türken und ihren balkanischen Begleitern befallen wurde. Der
ältere Nordteil mit zwei turmhaften Eckerkern, die einst weit über das
Dach ragten, besitzt eine Fassade mit Nordrenaissanceformen, die eine
Schrifttafel mit dokumentarer Inschrift über das Erbauen und die
Jahreszahl 1599 trägt. Die lateinische Inschrift berichtet, daß es
sich um ein ehemaliges Gasthaus für Reiter handelt, die ausnahmswiese
als Ehrengäste im Kloster beherbergt wurden und ihre Pferde im
geräumigen Untergeschoß lassen konnten. Wie schon in der
Inschrift Abts Laurentius (1580 - 1600) anzeigt, wird sein Nachfolger
Abt Jakob (1603 - 1626), der große frühbarocke Bauherr von Stièna und
Förderer jeglicher Kunst, schon einige Jahre später das Gebäude gegen
Osten verlängern. Das Steinportal, im Scheitel mit Wappen verziert, trägt
die Jahreszahl 1605, das Renaissancefenster an der Südseite im zweiten
Obergeschoß ist ein Jahr älter, auch diese Inschrift hier nennt Abt
Jakob. In diesem Gebäude war einst die Klosterverwaltung und die
Verwaltung des umfangreichen Klosterlandesbesitzes, das Bischofszimmer,
wenn er Stièna besuchte, das Klosterarchiv und die der Muttergotters
geweihte Hauskapelle. Die "aufgeklärte Zeit" während der
Klosteraufhebung, im Jahre 1784, hat das Ganze zerstört und
Ausstatttung, Kostbarkeiten sowie das hunderjährige Archiv von Stièna,
in alle Richtungen zerstreut. Die "alte Prälatur" ist ein
zweigeschossiger Bau mit mehreren größeren und kleineren Räumen. Im
Untergeschoß sind zwei Durchgänge, die den inneren Klosterhof mit dem
offenen Raum im Norden verbinden. Sehr räumlich ist der Durchgang im älteren
Westteil, in dem einst die Pferde der Ehrengäste Platz fanden. Es
handelt sich um einen Renaissancebau mit steinernen Wandpfeiler und
einem Tonnengewölbe. Nach den Restaurierungsarbeiten entstand eine
vornehme Räumlichkeit, die Sonderaussstellungen zur Verfügung steht.
Dazu dienen auch die kleineren Räume, die im Ostteil des Flügels die
andere Flurseite umgeben. Dort befindet sich das Klostergeschäft mit
erlesenen Nahrungsmitteln und anderen Erzeugnissen,
an der gegenüberliegenden Flurseite ist ein kleinerer Saal, in
dem Besucher ein audiovisuelles Programm über die Geschichte und die
Sehenswürdigkeiten von Stièna betrachten können.
Im
gesamten Obergeschoß sind Museums- und Galeriesammlungen des
Slowenischen Glaubensmuseums zur Schau gestellt, das seinen Sitz im
Kloster Stièna hat. Der mittlere Raum ist auch hier ein Korridor, der
das ganze Innere des Gebäudes erfaßt und südlich sowie nördlich von
Doppeltfenster (Biforen) belichtete wird, die deutlich die Zeichen ihrer
Bauzeitepoche am Ende des 17. Jahrhunderts (1605 -06) tragen. Zahlreiche
Exponate vom Mobiliar bis zum Geschirr stammen aus dem Nachlaß des
Antiquitätensammlers Leopold Kozlevèar (1904 - 1988) aus Dolenjska,
dessen Porträt von Matej Sternen, im Jahre 1947 gemalt wurde. In der
Galerie sind eine Reihe von Bildwerken ab dem 16. Jahrhundert, eine
Sammlung von Liturgiegeräten aus Metall, wie Kelche, Monstranzen,
Kerzenleuchter usw. ausgestellt. Hier wird auch der Metallaltarschrein
aus Stièna aufbewahrt. Man kann einige Siegel, alte Schriften und
religiöse Tafelbilder von Fortunat Bergant, Valentin Metzinger, Anton
Postla und anderen einheimischen Barockmeistern besichtigen. Ebenso sind
alte Messegewändter, hin und wieder mittelalteriche Steinmetzwerke und
einige Ziegelsteinerzeugnisse zur Schau gestellt. Ausgestellt sind auch
zwei Modelle der romanischen und barocken Klosteranlage mit näherer
Umgebung, die Herr Hubert Patzelt aus Hirschaid in Deutschland, ein großer
Fachmann für Zisterzienserorden und Freund des Klosters in Stièna,
erarbeitete hat. Auch die technische Dokumentationsunterlagen der
Erforschungsarbeiten über die romanische Architektur in Stièna des
Autoren dieses Führers, die Herr Patzelt bei beiden Modellen berücksichtigt
hat, sind hier aufbewahrt. An der gegenüberliegenden Flurseite finden
wir wieder Galerieausstellungsräume mit barocken Bildwerken und
Skulpturen. Ein besonderer Raum ist der Bildersammlung des akademischen
Malers und Paters Gabrijel Humek (1907 - 1993) gewidmet. Im anderen Raum
sind Bücher und andere Gebrauchsgegenstände des Bischofts und
Missionaren Friderik Baraga aufbewahrt. Im Bau am Fluß sind einige alte
Bauernwerkzeuge und manche Handwerkswerkstätten, die einst auch im
Kloster tätig waren, vorgestellt. Die Ausstellung umfaßt auch
Votivbilder, Wallfahrtsgegenstände, religiöse Zeichen und Bildchen.
Besichtigen können wir auch den Abguß der bedeutenden
"Madonna von Solèava", einer der ältesten
Marienskulptur in Slowenien aus dem 13. Jahrhundert. Umfaßend ist auch
die Sammlung von Glasbildern und hölzernen Kleinskulpturen aus dem
Nachlaß von Leoplod Kozlevèar.
Das
zweite Obergeschoß der "alten Prälatur" ist noch nicht als
Museum eingerichtet. Es ist für die Darstellung der
Entwicklungsgeschichte des Christentums in Slowenien vorgesehen. Nach
fruchtbaren Restaurierungseingriffen offenbart dieses Obergeschoß
seine, bald nach dem Gebäudebau im Jahre 1605, entstandene
Innenarchitektur. Diese Jahreszahl wird wieder in einer lateinischen
Inschrift genannt, die in den steinernen Türsturz eingemeißelt ist.
Die Tür öffnet das ins zweite Obergeschoß führende Treppenhaus. Die
Inschrift nennt Abt Jakob Reinprecht von Stièna im Jahre 1605 als
Anreger des Baues "von den Fundamenten aufwärts", den großen
Bauherrn von Stièna in der Epoche des Frühbarocks am Anfang des 17.
Jahrhunderts. Auch im zweiten Stock ist der mittlere Raum ein großer
Flur mit Doppeltfenstern an jeder Seite. Wie die restaurierte, gemalte
Wanddekoration aus dem 17. Jahrhundert bezeugt, war der Flur vorerst mit
einem Tonnengewölbe bedeckt, heute besitzt er eine verputzte, flache
Decke. Hier finden wir zwei Steinportale mit steilem, dreieckigen
Tympanon. In einem Tympanonfeld befinden sich das Wappen von Stièna mit
einer Bischofsmütze und im anderen das Wappen von Stièna und Abt
Reinprecht, der für die Innenausstattung des Baus gesorgt hat. Die Räume
sind größtenteils mit verputzten, flachen Decken versehen, in zwei Sälen
an der Nordseite sind noch ursprüngliche Holzdecken erhalten geblieben.
Eine Holzdecke besteht aus parallelen Bretter auf starkem Gebälk, die
andere ist eine Kassettendecke verschiedener geometrischer Formen mit
kunstvoller Ausschmückung, typisch für das 17. Jahrhundert. Aufschlußreich
bezeugen die Schießlöcher in der heutigen Zwischenwand, daß der ältere,
turmhafte Baukörper im Westteil, schon am Ende des 16. Jahrhunderts
erbaut wurde und einige Zeit ein selbstständiger Bau war, da diese Orte
in diesem Zeitabschnitt schon von Türken besucht und "beglückt"
wurden. Auch das Eckzimmer mit Erkern war mit Wandmalereien geschmückt.
Die ersten Wandverziehrungen, Inschriften von Namen einiger Heiligen und
die vier Kirchenväter stammen schon aus dem Frühbarock. Teilweise
wurde dieser Raum im Rokoko wieder bemalt, aber auch diese zierlichen
Malereien sind nicht wesentlich besser erhalten geblieben.
Besonders
reich ist der Wandschmuck in den kleineren Räumen am oberen Turm, in
dem einst der Hauptpfortengang des Klosters war. Der mittlere Flur ist
am Gewölbe mit Stukkaturen der Allegorien der vier Jahreszeiten und
seitlich mit bemalten Wappen in plastischen Medaillionen verziert.
Bildnerisch reich ausgestattet ist das Kreuzgewölbe des kleinen Raumes.
Zwischen Jagdszenen schlingen sich Ranken, an den Wänden sind Wappen
der
bte von Stièna, des Landes Krain und der Nachbarländer.
Diese Malereien sind eine bedeutende Bereicherung unserer Kenntnisse über
die slowenische Wandmalerei in der Frühbarockära, doch können sie in
diesem kurzen Führer nicht näher erläutert werden.
Wegen
des Baus der "alten Prälatur" wurde um 1600 fast gänzlich
die romanische Kapelle des Hl.
Paulus am mitteralterlichen Klosterpfortengang abgerissen, weil sie
sonst den neuen Baukörper hindern würde. Bei Ausgrabungen im Jahre
1954 wurde entdeckt, daß diese "Ostkapelle" ein rechteckiges
Längsschiff und als Altarraum eine halbrunde Apside hatte. Diese ragte
schon außerhalb der Baulinie des Längsgebäudes am Fluß. Erhalten
geblieben sind ihr halbrunder Ehrenbogen und das romanische Fenster an
der Südseite. An dem restlichen Teil der nördlichen Schiffswand, die
eine typisch romanische Bauweise darstellt, befand sich noch vor einiger
Zeit an der Außenwand eine gotische Freske, des Hl. Eligius, dem Patron
der Hufschmiede, Pferdeknechte und Kutscher; Mitte des 15. Jahrhunderts
wurde sie von dem berühmten gotischen Freskanten Janez aus Ljubljana
aufgebracht, der im Auftrag des Klosters von Stièna in vielen
umgebenden Kirchen tätig war.
Die
abgenommene Freske wird heute im Museum von Stièna aufbewahrt, zusammen
mit dem großen, gleichzeitig entstandenen Wappen, das einst den
eindrucksvollen Bau am Fluß zierte.
Das
Abbild des Hl. Eligius schmückte diese Wand, weil
dort vorbeigehende Ehrengäste und Besucher durch den ehemaligen
Klosterpfortengang gingen. Dort wo jetzt der imposante, obere Turm
steht, mit dem der zweigeschossige Baukörper am Fluß endet, war durch
das ganze Mittelalter hindurch, der Hauptpfortengang des Klosters und
gegenüber die "äußere" Kapelle des Hl. Paulus. In der
Kapelle waren Messen für Besucher und insbesondere für Frauen, die
einst nicht in die Ordenskirche durften, da das ganze Kloster unter
Klausur stand. Im 18. Jahrhundert wurde dieser alte Klosterpfortengang
aufgehoben und mit dem neuen, monumentalen Barockeingang in der Mitte
des Ostgebäudes am Fluß ersetzt, der noch heute der Haupteingang des
Klosters ist.
An
den ehemaligen Pfortengang erinnern die romanischen
"Pfortenkapelle" und vor allem der gewölbte, mit reichen, figürlichen
und dekorativen Stukkaturen geschmückte
Ostturmdurchgang. Am
Tonnengewölbe erscheinen in länglichen Medaillionen die vier
lateinischen Kirchenväter: Hl. Ambrosius, Hl. Augustinus, Hl. Gregor
und Hl. Hieronymus. Am unteren Teil der Gewölbekrümmung ist an der
einen Seite eine große Komposition der Kreuzigung, mit zahlreichen
Figuren, ihr gegenüber steht eine lebendig bewegte, massenhafte Szene
der Kreuzaufrichtung. Bemerkenswert erscheint an der Ostseite, über dem
Pfortengangbogen, das große, gesprächige und erzählende Jüngste
Gericht, das noch viel mittelalterliche Ikonographie enthält, von
gotischen Fresken übernommen, bereichert mit Szenen volkstümlicher
Phantasie. Initialien, zwei Wappen und die Jahrezahl 1620, am
Bogenscheitel bestätigen, daß diese Stukkaturen der erste
Barockbauherr des mittelalterlichen Klosters Abt Jakob gestiftet hat.
Das sind die ersten Barockstukkaturen in Slowenien, sie sind aber auch
ein frühes, bemerkenswertes Beispiel im weitreichenden, europäischen
Kulturbereich.
Im
Jahre 1944 wurde, nach Abbruch des vorübergehenden Wirtschaftsgebäudes
im "Schneckengarten", die 22 m lange Westfasade des einstöckigen
Laienbrüderflügels entdeckt.
Im Untergeschoß ließen sich schon vorher vermauerte Fenster
romanischer Formen erkennen. Nunmehr kann man originale Fensteröffnungen
im Obergeschoß und zwischen ihnen auch einen halbrunden Eingang
betrachten. Die oberen Fensterchen haben offensichtlich den
gemeinschaflichen Laienschlafsaal im ersten Obergeschoß beleuchtet und
gelüftet, die unteren, den Gemeinschaftsspeisesaal, in dem später die
Vorratskammer und der Weinkeller waren, die sich noch heute dort
befinden. Erhaltene rechteckige
ffnungen in der Wand belegen Lagerstellen hölzener
Deckenbalken im Untergeschoß, gleichzeitig waren sie auch für die Träger
des Außenganges im ersten Obergeschoß bestimmt, das durch Treppen den
Eintritt in den Schlafsaal und aus diesem in die Klosterkirche, durch
einen besonderen Laienbrüderzugang im westlichsten Teil der Kirche, ermöglichten.
Der Außengang wurde im 17. Jahrhundert beim Verkürzen der Ordenskirche
abgebrochen. Die Entdeckung dieser romanischen Fasade ist eine
interessante Errungenschaft für das Wissensgebiet des ältesten
Klosterbaukörpers von Stièna und auch seines Laienbrüderflügels und
die Antwort auf die bislang offene Frage, wie die Laienbrüder aus ihren
Wohnräumen völlig getrennt von den Patern die Kirche erreichten.
Neben
den Klostergebäuden außerhalb des Innenklosters muß der riesige Kornspeicher
genannt werden, der an der südwestlichen Seite von der
Klosterummauerung umfaßt wird. Dieses mächtige Wirtschaftsgebäude,
mit drei gewölbten Etagen übereinander, ist ein wahres technisches
Meisterwerk seiner Zeit, das der 43. adlige Abt von Stièna Ludwig
Raumbschüssel (1680 - 1687) im Jahre 1683 völlig neu erbauen ließ. Da
die Türken im
15.
Jahrhundert auf ihren Plünderungswegen aus Bosnien über Krain und Kärnten
nach Mitteleuropa, immer wieder das Kloster in Stièna bedrohten,
befestigten die Mönche die schon vorher ummauerte Klosteranlage noch stärker
mit einer mächtigeren Umfassungsmauer und den Türmen. Abt Urban Paradiž
(1516 - 1523) erbaute um 1519 sogar eine selbstständige, rechteckige Festung.
Sie hatte runde Ecktürme, von denen noch drei erhalten geblieben sind,
und in der Mitte einen eindrucksvollen, rechteckigen Turm mit
Abwehrvorrichtungen seiner Zeit wie ein "Bergfried" in einer
Burg. Die Klosterummauerung ist hauptsächlich
an der Süd- und Westseite erhalten geblieben, wo sie
teilweise 8 m hoch ist.
Der
schon erwähnte Abt Jakob Reinprecht, großer Bauherr und erster
barocker Umgestalter des mittelalterlichen Klosters in Stièna, ließ
inmitten des Blumengartens westlich der Kirche eine schattige Gartenlaube
errichten, in der er sich mit Gästen in heißen Sommertagen aufhielt.
Im Geiste seiner Zeit erbaute er ein achteckiges Zentralgebäude. An
vier Ecken sind halbrunde Eingänge und an den anderen vier Seiten
ebenso geformte Fenster. Der Raum ist mit einer achtseitigen Kuppel überwölbt.
Auf der Spitze des pyramidenförmigen Ziegeldaches befindet sich eine
eiserne Windfahne, verziert mit einem Putto als Bogenschützen, neben
ihm das Wappen von Jakob, mit drei Lilien und über ihm die großen
Buchstaben PDIAS, die als lateinische Anfangsbuchstaben bedeuten, daß
diesen Pavillon Abt von Stièna, Herr Jakob, errichten ließ. Derartige
Gartenlauben finden wir in dieser Zeit hauptsächlich in Schloßgärten.
Von
allen bekannten Gartenpavillons ist nur das in Stièna aus den 20er
Jahren des 17. Jahrhunderts erhalten geblieben und ist dadurch so
bedeutendswert.
Ein
Teil des ummauerten Gartens dient als Meditationspark.
Völlig abgegrenzt von den anderen Flächen und gepflegt angelegt mit
beruhigenden Grünflächen. An den Wänden ringsum schwingen sich
Weinreben empor, die edlen, biblischen Pflanzen, die im Herbst einen
ergiebigen Ertrag des edlen, klostereigenen Hausweines liefern.
Weinreben umgeben auch Plätze für kleinere Gruppen oder persönliches
Nachdenken. Im Gras stehen auf steinernen
Sockeln hölzerne Skuplturen des Christus, der Muttergottes und der zwei
bedeutendsten Trägern des westlichen Mönchtums, des Hl. Benedikts und
des Hl. Bernhards, dem großen Zisterzienser, nach dem das 12.
Jahrhundert der europäischen Geschichte auch als "Jahrhundert des
Hl. Bernhards" genannt wird. Die Skulpturen wurden in den letzten
Jahren von dem einheimischen, selbstgelehrten Bildhauer Jože Trontelj
geschnitzt. - Was für eine herrliche,
friedliche Oase ist dieser Meditationspark inmitten unserer
unruhigen und angestrengten Welt!
Das
Kloster in Stièna besteht schon fast seit 900 Jahren mit seinem
romanischen Kern, der Ordenskirche und dem Kreuzweg. Von 1784 bis 1898
wurde das Ordensleben gewaltsam unterbrochen. Stièna mit seiner riechen
und langen Vergangenheit, ist ein bedeutendes historisches Denkmal. Während
den Jahrhunderten entwickelt sich das Kloster zu einer umfangreichen Gebäudeanlage,
die alle bedeutenden, europäischen Kunstzüge: von der anfänglichen
Romanik über die Gotik und Renaissance, bis hin zum Barock, trägt. Stièna
ist daher ein wichtiges kunsthistorisches Denkmal.
Unser
Bewußtsein über die Bedeutung des Klosters in Stièna hat sich von die
anfänglichen Beschreibungsversuchen, Ende des 19. Jahrhunderts,
besonders in den letzten Jahrzehnten, wesentlich bereichert. Besondere
Aufmerksamkeit wurde natürlich der noch erhaltenen romanischen
Architektur gewidmet, mit dem Grundriß der Ordenskirche aus der Mitte
des 12. Jahrhunderts, die im Rahmen der frühzisterziensischen
Architektur von europaweiter Bedeutung ist. Heute wissen wir über Stièna
viel mehr als einst, doch werden wir nie alles erfahren, das dieses
ehrenwerte Kloster vor unseren Kenntnissen verbirgt. Noch immer bleibt
es für uns ein fesselndes Geheimnis, das uns immer von neuem hinter
seine Klosterwände einläd, damit wir sein letztes, eifersüchtig in
sich verborgenes Geheimnis offenbaren.
Insbesonders
zweimal erreichte die Architektur und die bildende Kunst in Stièna
seine goldene
ra: beim Entstehen im 12. Jahrhundert und im
Zeitabschnitt der großen Barockentfaltung. Romanik und Barock sind die
beiden Hauptepochen der kunstgeschichtlichen Gestalt des Klosters in Stièna.
Stièna
war in seiner langjährigen Geschichte religiöses und kulturelles
Kulturzentrum von Dolenjska, dem Landschaftsgebiet Sloweniens. Noch
heute und vorallem auch zukünftig wünscht das Kloster seine vorzügliche
Botschaft in geistiger und allseitig kultureller Hinsicht beizubehalten
und verstärkt weiterzuführen.
Wir
wünschen mit den Worten des Psalmisten auch in Zukunft Stièna:
"Es soll Frieden hinter deinen Wänden herrschen"
(Psalm 122, 7)
Ins
Deutsche übertragen von Mirjam und Hermann Behek
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PATER SIMONS
HAUSAPOTHEKE
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